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Feministische Avantgarde Artist Talk

ZKM | Karlsruhe

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Sa, 18.11.2017 – So, 08.04.2018ZKM_Lichthof 1+2 Das ZKM zeigt mit über 400 Kunstwerken aus der SAMMLUNG VERBUND in Wien, wie Künstlerinnen in den 1970er-Jahren zum ersten Mal ein eigenes Bild der Frau kollektiv neu kreierten. Zuletzt, im Frühjahr 2015, hat das ZKM im Rahmen des Karlsruher Festivals »Frauenperspektiven« das virtuelle Ausstellungsprogramm »Frauen Video Arbeiten« aus der ZKM-Videosammlung plus Leihgaben präsentiert.Die wichtige künstlerische Bewegung »Feministische Avantgarde« fand bisher in der Kunstgeschichte wenig Beachtung. Anspruch der Ausstellung im ZKM ist nicht nur die »Feministische Avantgarde« in den Kanon der Kunstgeschichte aufzunehmen, sondern die Pionierleistung dieser Künstlerinnen hervorzuheben. Erstmals war es den Künstlerinnen, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geboren sind, möglich, in nennenswerter Zahl an den Akademien Kunst zu studieren und sich damit von der passiven Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. In ihren Werken stellen sie radikal neue Fragen an die Gesellschaft, an den Kunstbetrieb und die Rollen der Frau. Die Ablehnung tradierter, normativer Vorstellungen verbindet das Engagement der Künstlerinnen dieser Generation. Auch wenn sie sich untereinander nicht alle kannten, entstanden verwandte Werke.Das Private ist PolitischVor dem Hintergrund der Bürgerrechts- und Frauenbewegung werden Anliegen von Frauen erstmals öffentlich diskutiert; das Private bekommt politische Bedeutung. Innerhalb kürzester Zeit begannen Frauen sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, versammeln sich zu Aktionen, halten Demonstrationen ab und organisieren Ausstellungen, in denen Frauen ihre Werke zeigen konnten. Die Künstlerinnen der »Feministischen Avantgarde« gehen der Frage nach, wie das traditionelle »Bild der Frau«, die Konstituierung weiblicher Identitäten in unserer Gesellschaft bestimmt. Dabei stehen Themen wie eindimensionale Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau, weibliche Sexualität, der eigene Körper, Schönheit und Gewalt gegen Frauen im Fokus.Rollenspiel - Klischees und Stereotypen werden hinterfragtViele Künstlerinnen eint die Ablehnung stereotyper Rollenbilder. Martha Rosler (*1943) etwa überzeichnet die Rolle der für Heim und Herd verantwortlichen Frau. Birgit Jürgenssen (*1949) hängt sich einen Herd wie eine Küchenschürze um. Es ist das Spiel mit der Kamera, die Maskerade und das Kostüm als Mittel der Selbstdarstellung, mit denen die Künstlerinnen Vorstellungen von Identität und Weiblichkeit als gesellschaftliches Konstrukt hinterfragen. Cindy Sherman (*1954), Hannah Wilke (*1940) und Martha Wilson (*1947) nehmen für ihre Fotografien verschiedenste Rollen ein, untersuchen alltägliche und historische Klischees. Ähnlich Lynn Hershman Leeson (*1941), die mit Roberta Breitmore eine fiktive Person kreiert, die sie über Jahre hinweg lebt. Rita Myers (*1947), Ewa Partum (*1945) und Suzy Lake (*1947) befragen dagegen in ihren Arbeiten Ideale von Schönheit und Makellosigkeit.Neue MedienZahlreiche Künstlerinnen wenden sich ganz bewusst den neuen, historisch unbelasteten Medien wie Fotografie, Film und Video zu, nutzten die Performance als künstlerisches Ausdrucksmittel. VALIE EXPORT (*1940) etwa lädt auf dem Münchner Stachus Passanten ein, ihr Tapp und Tastkino zu besuchen. Dies bedeutete, dass die Passanten ihre Hände in einen Kasten stecken konnten, den die Künstlerin vor ihrem nackten Oberkörper trug. Oftmals ist es der eigene Körper, der zum Material der Kunst wird, dabei gehen einige Künstlerinnen bis an die Grenzen körperlicher Belastbarkeit, darunter Ana Mendieta (1948–1985) oder Gina Pane (1939–1990). Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruieren die Künstlerinnen der »Feministischen Avantgarde« die traditionelle Ikonographie des Weiblichen.Gegen das Diktat der SchönheitEin weiterer Topos der »Feministischen Avantgarde« ist die Ironisierung des weiblichen Schönheitsideals und die Attribute der Makellosigkeit und Reinheit die den Frauen zugeordneten werden. In der Performance »Change« (*1974) lässt sich die polnische Künstlerin Ewa Partum (*1945) eine Körperhälfte von MaskenbildnerInnen gealtert schminken. Sie inszeniert sich als alte Dame und hinterfragt zugleich das gängige weibliche Schönheitsideal. Eleanor Antin (*1935) zeigt in ihrem Video »Representational Painting« (*1971) wie sie ihr Gesicht schminkt. Der Titel bezieht sich auf das Auftragen von Make-up als ein übertragener Akt des Malens. Das Zögern und Zweifeln der Künstlerin beim Schminkprozess hinterfragt die »Schönheitsindustrie« – wie Wimpern– tusche und BH – die für Frauen in der Gesellschaft selbstverständlich sind. Indem die amerikanische Künstlerin Rita Myers (*1947) ihre »bessere« Körperhälfte in einer Fotografie spiegelt, kreiert sie den vermeintlichen perfekten weiblichen Körper und zugleich ein irritierendes Bild.Während VALIE EXPORT, Cindy Sherman oder Martha Rosler einem breiten Publikum bekannt sind, bietet diese Ausstellung die seltene Möglichkeit die einflussreichen Werke von Künstlerinnen unter anderem Katalin Ladik, Nil Yalter, Birgit Jürgenssen und Sanja Iveković zu entdecken. Zum ersten Mal sind Künstlerinnen aus Europa, Nord- und Südamerika und Neuseeland vertreten. ImpressumGabriele Schor (Kurator/in)Peter Weibel (Kurator/in)Judith Bihr (Projektleitung)AusstellungsteamTechnische Projektleitung: Anne DäuperOrganisation / InstitutionZKM | Karlsruhe///Sat, 18.11.2017 – Sun, 08.04.2018ZKM_Atrium 1+2 With 400 artworks from the SAMMLUNG VERBUND, the ZKM is showing how female artists in the 1970s collectively recreated their own »Image of Woman« for the first time. Most recently, in spring 2015, the ZKM presented the virtual »Women Video Work(s)« exhibition from the ZKM video collection plus loans as part of the »Karlsruhe Women’s Perspectives« Festival.To date, the important »Feminist Avant-Garde« movement has attracted little interest in the history of art. The aim of the exhibition in the ZKM is not just to include the »Feminist Avant-Garde« in the canon of art history, but also to emphasize the pioneering work of these female artists. For the first time, it was possible for female artists, who were born in the war and post-war years, to study in noteworthy numbers at the academies of art and to emancipate themselves from the passive role of muse and model. In their works, they posed radical new questions to society, to the art scene and the roles of women. The rejection of handed-down, normative concepts connects the commitment of female artists from this generation. Even if they did not all know each other, related pieces were created.The private is politicalThe issues of women are discussed openly for the first time against the background of the civil rights movement and the women’s movement; the private obtains political meaning. Within the shortest space of time, women began to make themselves heard in public, assemble for campaigns, hold demonstrations and organize exhibitions, in which women could present their work. The female artists of the »Feminist Avant-Garde« raise the question of how the traditional »Image of Woman« defines the foundation of female identities in our society. Such themes as one-dimensional role assignments as mother, housewife and spouse, female sexuality, one’s own body, beauty and violence against women are focussed on.Role play – Clichés and stereotypes are scrutinizedThe rejection of stereotypical role models unites many female artists. Martha Rosler (born 1943), for example, exaggerates the role of woman responsible for home and hearth. Birgit Jürgenssen (born 1949) puts on a stove like a kitchen apron. It is playing with the camera, the masquerade and costume as a means of self-expressions, with which the female artists scrutinize ideas of identity and femininity as a social construct. Cindy Sherman (born 1954), Hannah Wilke (born 1940) and Martha Wilson (born 1947) capture a wide range of roles for their photography, examine everyday and historic clichés. Similar to Lynn Hershman Leeson (born 1941), who created a fictitious person with »Roberta Breitmore«, who she lives as for years. On the other hand, Rita Myers (born 1947), Ewa Partum (born 1945) and Suzy Lake (born 1947) question ideals of beauty and flawlessness in their work.New MediaCountless female artists turn quite deliberately towards new, historically unburdened media such as photography, film and video, using performance as an artistic means of expression. VALIE EXPORT (born 1940), for example, invites passers-by at Munich’s Stachus to visit her »Tap and Touch Cinema«. This meant that passers-by could put their hands into a box, which the artist wore in front of her naked upper body. It is often the woman’s own body, which is used as the material of art. In doing so, some female artists reached the limits of physical capacity, including Ana Mendieta (1948–1985) and Gina Pane (1939–1990). Humorously and ironically, subtly and provocatively, the female artists of the »Feminist Avant-Garde« deconstruct the traditional iconography of the female form.Against the diktat of beautyAnother topos of the »Feminist Avant-Garde« is the ironic take on the ideals of female beauty and the attributes of flawlessness and purity, which are assigned to women. In the performance »Change« (1974), Polish artist Ewa Partum (born 1945) has one half of her body aged by make-up artists. She dresses as an old woman, while scrutinizing the conventional ideal of female beauty. Eleanor Antin (born 1935) demonstrates how she applies make-up to her face in her »Representational Painting« video (1971). The title relates to the application of make-up as a conveyed act of painting. The hesitation and doubts of the female artist during the make-up process scrutinizes the »beauty industry« – like mascara and bras – which come as a matter of course for women in society. By reflecting her »better« body half in a photograph, American artist Rita Myers (born 1947) creates a supposedly perfect female body and, at the same time, a disconcerting image.While VALIE EXPORT, Cindy Sherman and Martha Rosler are known to a wide public, this exhibition offers the rare opportunity to discover the influential works of female artists such as Katalin Ladik, Nil Yalter, Birgit Jürgenssen and Sanja Iveković. For the first time, female artists from Europe, North and South America and New Zealand are represented.CreditsGabriele Schor (Curator)Peter Weibel (Curator)Judith Bihr (Project management)Exhibition teamTechnical project management: Anne DäuperOrganization / InstitutionZKM | Center for Art and Media

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